(Versuchte) Vergewaltigung / sexuelle Nötigung


Die meisten Mädchen und Frauen erleiden während einer Vergewaltigung massive Ängste - häufig akute Todesängste und erleben in dieser Situation einen völligen Kontrollverlust über ihren Körper und ihren Willen. Sie fühlen sich ohnmächtig, hilflos und der Willkür einer anderen Person ausgesetzt. Viele empfinden Ekel oder erleben das Ganze, als ob sie „neben sich stehen“. Wenn der Täter bekannt oder gut vertraut ist, bedeutet die (versuchte) Vergewaltigung darüber hinaus einen massiven Vertrauensmissbrauch.

In dieser Situation gibt es kein „richtiges“ oder „typisches" Verhalten, sondern intuitive Reaktionen , die zum Ziel haben, die Situation zu überleben. Diese Reaktionen können ganz unterschiedlich aussehen: So wehren sich einige Frauen körperlich oder verbal. Andere verhalten sich scheinbar entgegenkommend, um so die Gefahr für ihr Leben zu verringern. Viele sind „starr vor Angst“ und lassen die (versuchte) Vergewaltigung scheinbar teilnahmslos über sich ergehen. Jede Verhaltensweise stellt einen Schutzmechanismus dar, der in dieser extrem bedrohlichen Situation hilft, das eigene Überleben zu sichern. Die Täter sind selten Fremde. Insbesondere bei Vergewaltigungen / Sexueller Nötigung stammen sie meist aus dem sozialen Umfeld der Mädchen und Frauen. Es sind z.B. Freunde, Bekannte, Partner und Ehemänner, Väter, Brüder, Kollegen. Die meisten sexuellen Übergriffe finden dort statt, wo Mädchen und Frauen sich eigentlich sicher fühlen sollten - z.B. am Arbeitsplatz oder in der Wohnung - d.h. im gewohnten Umfeld. Das Ausmaß sexualisierter Gewalt verdeutlicht, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt und bei den Tätern in der Regel nicht um psychisch kranke, „triebgestörte“ oder „perverse“ Täter. Bei den wenigsten Sexualstraftätern wird eine psychische Störung festgestellt, die im Zusammenhang mit der Tat steht. Vielmehr sind die Täter meist „ganz normale“ Männer.


Folgen der Vergewaltigung / Sexuellen Nötigung.
Nach einer (versuchten) Vergewaltigung / Sexuellen Nötigung können Frauen und Mädchen so unterschiedlich reagieren, wie sie z.B. in ihrer Persönlichkeit verschieden sind. Auch hier gilt: es gibt keine „typische“ Verhaltensweise. Sexualisierte Gewalt bedeutet immer eine massive seelische und körperliche Verletzung, die zu einer Traumatisierung führen kann.

Die äußeren Reaktionen unmittelbar nach der Tat können daher sehr unterschiedlich sein – manche können kontrolliert und gefasst erscheinen, andere „zusammenbrechen“, einige sind nicht in der Lage, das Geschehen in Worte zu fassen. In der Folgezeit können Vergewaltigungsopfer leicht irritierbar sein und mit einer Vielzahl z. T. auch widerstreitender Gefühle überschwemmt werden: Angst, Verzweiflung, Hass, Trauer, Ohnmacht sind nur einige Beispiele. Das Selbstwertgefühl, ihre Sexualität und die eigene Körperwahrnehmung können u. U. gestört sein. Betroffene Frauen können mit Scham und Ekel vor sich selbst reagieren oder sich mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen quälen.

Nahe stehende Personen wie Angehörige, FreundInnen und Bekannte können ganz unterschiedlich auf das Erlebte reagieren. Durch Verständnis und Unterstützungsangebote können sie als große Entlastung erlebt werden. Allerdings können Frauen auch über nahe stehende Personen mit Vorurteilen oder Abwehr konfrontiert werden - so können diese mit Ungläubigkeit, mit Unverständnis und auch mit Schuldzuweisungen reagieren. Dadurch können die Empfindungen von betroffenen Frauen nochmals verstärkt werden.

Langfristig gelingt es Betroffenen in den Alltag zurückzukehren; sie können jedoch über Monate und Jahre hinweg unter den Folgen der (versuchten) Vergewaltigung leiden. Manchmal treten Symptome auch erst Jahre später auf oder nach einer Phase der Beruhigung. Die Folgen und psychischen Symptome sind vielfältig, z.B.


Die Unterstützung von nahestehenden Personen oder qualifizierten UnterstützerInnen, wie MitarbeiterInnen des Frauennotrufs kann auf dem Heilungsweg eine hilfreiche Begleitung sein.