Sexuelle Belästigung
Diskriminierungen verschiedener Art begegnen Frauen in der Werbung, in den Medien, im Internet etc. Frauen und
Mädchen erleben in alltäglichen Situationen sexualisierte Gewalt: Sexuelle Belästigung auf der Straße,
am Telefon oder Arbeitsplatz sind keine Ausnahmefälle. Auch in Therapien oder Beratungen können sexuelle
Übergriffe durch Therapeuten oder Ärzte vorkommen.
Die meisten Beispiele sind so alltäglich, dass sie vielen Menschen
als „normal“ und „typisch männliches“ Verhalten erscheinen. Männer benutzen dieses Argument oft als
Entschuldigung, während viele Frauen diese Formen sexueller Belästigung als unabänderlich hinnehmen.
Entscheidend ist jedoch, dass sich die betroffene Frau bzw. das betroffene Mädchen in dieser Situation höchst
unwohl fühlt und darunter leidet, dass ihre persönlichen Grenzen
(z.B. das Bedürfnis nach körperlichem Abstand, das Bedürfnis, in Ruhe gelassen zu werden usw.)
überschritten werden und ihr so ein Anderer seinen Willen aufzwingt.
Besonders bedroht fühlen sich Frauen und Mädchen häufig in bestimmten Situationen oder an bestimmten
Orten wie z.B. nachts im Dunkeln allein auf der Straße, in U-Bahn-Stationen und Tiefgaragen oder in dunklen
Hauseingängen. Tatsächlich können sexuelle Belästigungen bis hin zur Vergewaltigung zu jeder Zeit
und an jedem Ort geschehen.
Auch der „glühende Verehrer“ oder der abgewiesene Freund, der eine Frau bzw. ein Mädchen mit „Liebesbeweisen“
traktiert oder sie verfolgt, ständig anruft usw., überschreitet die Grenze zur sexuellen Belästigung oder
Bedrohung (vgl. Stalking).
Ein offensiver Umgang und eine bewusste Auseinandersetzung mit der Bedrohung und der daraus resultierenden Angst sind
sinnvoll. Wichtig ist auch, dass Frauen aufeinander achten, sich gegenseitig helfen und unterstützen. Wenn sich
eine Frau oder ein Mädchen unwohl oder unsicher fühlt, sollte sie ihrem
Gefühl vertrauen und eine
bedrohliche Situation bzw. einen Ort der Gefährdung verlassen.
Sexualisierte Übergriffe im Alltag gehören zwar zur Erfahrung fast aller Mädchen und Frauen, sind jedoch
genauso wenig individuelles Schicksal wie alle anderen Formen sexualisierter Gewalt, sondern der Ausdruck patriarchaler
Machtstrukturen und der Machtungleichheit von Männern und Frauen. Es kann sehr hilfreich sein, über sexuelle
Belästigungen und Bedrohungen zu sprechen.
Oft lösen sexualisierte Übergriffe Scham- und Schuldgefühle aus sowie Wut darüber, sich nicht
gewehrt zu haben. Dies ist ein Grund dafür, dass alltägliche Übergriffe weitgehend ignoriert werden
und Frauen für ihren Schutz selbst verantwortlich gemacht werden. Erst durch die öffentliche Auseinandersetzung
und allgemeine Ächtung dieser Übergriffe kann es langfristig zu Veränderungen kommen.
Die Unterstützung durch Freundinnen oder qualifizierte Unterstützerinnen, wie Mitarbeiterinnen eines
FRAUENNOTRUFes können hilfreich sein, um über Gewalterfahrungen zu sprechen und neue Möglichkeiten für
die persönliche Sicherheit zu entwickeln.